Wasserstoff – wie ein unterschwelliges Thema zur Geldverbrennungsmaschine mutiert

(ME) Folgt man den Worten von den Profiteuren diverser Subventionen, Förderungen oder anderer Player im Energiemarkt, die mit dem geruchlosen molekularen Wasserstoff Geld verdienen wollen, ist Wasserstoff das Wundermittel der Energiewende.

So wundert es auch nicht, dass Politiker, Konzernchefs oder Lobbyisten keine Gelegenheit verpassen Verweise auf das Thema wie ein Mantra zu wiederholen.

Nun ist mein Ingenieurstudium schon ein paar Tage her, aber die Naturgesetze ändern sich selten. Hinzu kommt, dass die Farbenlehre des Wasserstoff gerade für ein farbloses Gas deplatziert erscheint. So gilt es zunächst folgende Herstellungsmethoden (verantwortlich für die Nomenklatura) abzugrenzen:

grün: Der Wasserstoff wird durch Elektrolyse gewonnen und der Prozess wird durch erneuerbare Energiequellen wie Windkraft, Wasserkraft oder Sonnenenergie gespeist. Derzeit existieren etwas 40 Anlage bundesweit. Der Energieaufwand der auch als „Power-to-gas“ betitelten Prozesse ist sehr hoch. Darauf basierend errechnen die Forscher für 2030 eine Elektrolysekapazität für klimaneutralen Wasserstoff von rund fünf Gigawatt. Das ist nur die Hälfte dessen, was im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung als Ziel gesetzt ist.

türkis: Ausgangsprozess ist die Methanpyrolyse. Dabei wird Methan im Erdgas in Wasserstoff und Kohlenstoff gespalten. Wird die Energie aus o.g. Quellen geliefert, ist die Erzeugung auf diesem Weg klimaneutral.

grau: Dampfreformierung mit Nutzung von fossilen Brennstoffen (Erdgas, Kohle, Erdöl) mit entsprechenden CO2-Abfallprodukten ist die nicht klimaneutrale Wasserstoffproduktion.

blau: Entsteht aus der „grauen Methode“ wenn das CO2 durch Kohlenstoffabscheidung unterirdisch gelagert wird. Hier findet man oft den Begriff  (CCS-Technik – Carbon Capture and Storage)

pink/gelb: Wasserstofferzeugung durch Elektrolyse mit Atomstrom. Keinerlei CO2 relevante Abfallprodukte jedoch radioaktiver Abfall mit dem PRoblem der Endlagerung.

weiß: Abfall- bzw. Nebenprodukt chemischer Prozesse (z.B. Chlorkali-Elektrolyse) Sehr unterschiedlich und in Menge und Folgen schwer zu verallgemeinern.

Die Bundesregierung stellt für die Förderung des grünen Wasserstoff verschiedenste Fördermittel bereit. Das verabschiedete Paket aus 2020 sieht 7 Milliarden für den Aufbau eines nationalen Marktes vor. In Ergänzung stehen 2 Milliarden für Kooperationsbestrebungen im internationalen Markt bereit.

Bis hierher klingt das vielversprechend und wird leider unter Auslassung der naturwissenschaftlichen Aspekte „verkauft“.

So ist die Umwandlung des Ökostroms alles andere als effzient und vier Fünftel der Energie gehen verloren… In der Folge ist grüner Wasserstoff ca. vier bis fünfmal teurer als grauer und benötigt riesige Mengen an Ökostrom.

Beim Ökostrom trifft man auf ganz andere Interessenten… So benötigt die Stahlindustrie für ihren Energiewandel etwas 130 Terawattstunden pro Jahr. Nimmt man eine Statistik aus 2019 als Grundlage, so wurden miitels Windkraft in Gesamtdeutschland ca. 127 Terawattstunden erzeugt.

Somit ist es aus derzeitiger Betrachtung zunächst notwendig die Erzeugung von Ökostrom in den Fokus zu nehmen, bevor man sich der Farbenlehre des Wasserstoff nähert und Versprechungen formuliert, die einem Faktencheck nur bedingt standhalten.

Der Verteilungskampf um die o.g. Fördergelder ist allerdings für die bereits etablierten Player lukrativ und sorgt für Aufbruchstimmung im saturierten Spektrum von Verwaltung und Industrie. Die üblichen Propheten gehören natürlich auch dazu.

Nachhaltige Nutzung von Geldern sieht m.E. anders aus.

Einige Links für weiterführende Informationen:

Bundesregierung Fortschrittsbericht zur Umsetzung der Wasserstoffstrategie 17.05.2022

Umweltbundesamt 18.05.2022

Wirtschaftswoche vom 22.09.2021

Handelsblatt Dossier vom 08.09.2021

Deutsche Umwelthilfe vom 03.02.2020

SWR2 vom 04.08.2021

Deutsche Welle vom 24.02.2022

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